Ich habe vorgestern in der Grundschule meines Sohnes einen Vortrag über Risiken und Gefahren im Internet gehört. War ja durchaus interessant, auch wenn ich denke, dass das ganze (wie der Titel des Events ja schon andeutet) viel zu sehr in Richtung “Achtung… Gefahr… Bitte draussen bleiben” ging.

Ich befürchte von den anwesenden Eltern hat mindestens die Hälfte nun beschlossen, dass Ihre Kinder von “diesem Internet” die nächsten 100 Jahre fortbleiben sollten: Kinderschänder, die Kindern/Jugendlichen im Chat auflauern, gewaltverherrlichende und oder rechtsextreme Foren, Pr0nografie (sic!), Hinrichtungs- bzw. Gewaltvideos und so weiter.

Urheberrechtsverletzungen, die an jeder Ecke lauern (MP3s auf dem Rechner wurden mehr oder weniger pauschal als “illegal” dargestellt… iTunes? MusicLoad? Amazon? selbst gekaufte und dann gerippte CDs? — Fehlanzeige).

Wie gesagt: Ich fand’s einseitig, aber wohl dem Thema des Vortrages angemessen.

Gut gefallen hat mir allerdings das Fazit, was der vortragende Kriminalbeamte gezogen hat:

Eltern müssen sich _selbst_ eine Medien (=Internet, Chat, Foren etc.) Kompetenz aneignen, damit sie _rechtzeitig_ erkennen können, wenn ihre Kinder Probleme im Umgang mit dem Internet (ich meine nicht “technische Probleme”) haben/bekommen.

Sie sollten (zumindestens anfänglich) ihre Kinder im Internet begleiten, wozu auch gehört, dass Kinder _keinen_ eigenen PC mit Internet-Zugang in ihren Zimmern haben sollten.

Meine Meinung:

Ungezügelten Medienkonsum im Grundschulalter (und dazu zähle ich neben dem Web natürlich auch Fernsehen, Spielekonsolen und Musikberieselung) kann ich grundsätzlich nicht gut heissen. Dazu passt dann auch der Verzicht auf einen eigenen Fernseher, MP3-Player (an der Stelle habe ich schon verloren 😐 ) und vor allen Dingen einen eigenen Computer bzw. uneingeschränkten Zugang zu einem solchen.

Grundschüler und Internet finde ich sinnvoll, aber in Maßen (nicht Massen), will heissen: Geregelt und auch kontrolliert.

Kontrolle heisst bei uns konkret: Unser Sohn benutzt unseren Mac wenn wir dabei oder in der Nähe sind. Wir schauen ab und zu auf das was er tut und wir regulieren die Zeiten. Klingt restriktiv, ist restriktiv! Aber: Es geht um einen Grundschüler (bei unserer Jüngsten stellt sich die Internetfrage mangels Lesefähigkeit noch nicht).

Darf unser Sohn dann alles anschauen?

IMHO (und wahrscheinlich nicht nur meiner Meinung nach) haben Grundschüler noch nichts auf Pr0no-Seiten im Netz zu suchen. Diverse Gewalt/Nazi/Radikal-Seiten, die durch geschickte oder auch ungeschickte Google-Suche gefunden werden können, sind sicherlich auch noch nichts für die Augen von 10 jährigen.

Ist es deshalb sinnvoll zu filtern? Taugen Filter etwas? Ist filtern nicht schon ein Grundrechteeingriff (den ich ja sonst für ziemlich sch… halte)?

Jeder halbwegs technisch begabte Mensch ist sicherlich in der Lage Filterprogramme auszutricksen, und sei es nur dadurch, dass er den PC des (ungefilterten) Nachbarn benutzt. Ich bin aber schon der Meinung, dass (kleine) Kinder noch ein Anrecht auf ein bisschen heile (Internet-) Welt haben und nicht zufällig auf Hardcore-Seiten gelangen sollten.

Ich persönlich habe meinem Sohn erklärt, dass sein Webzugang durch einen Filter (leidlich) geschützt ist. Ich habe ihn auch aufgefordert/ermutigt(?) mir zu sagen, wenn ihn das stört, behindert oder sonstwie einfach nur nervt. Dann ist wahrscheinlich noch ‘mal ein längeres Gespräch nötig aber ich denke, dass ich Argumenten durchaus aufgeschlossen gegenüber stehe (wahrscheinlich allerdings nicht, solange er noch keine 10 Jahre ist :-) ).

Mein Fazit: Der Umgang mit dem Internet muss wie alles andere auch erlernt werden. Eltern sollten ihre Kinder genau dabei begleiten aber nicht gängeln… (to be continued)